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Businesscase

Lebensfähigkeit in fünf Pflichten

Businesscase ist eine strukturierte Behauptung: „Wenn diese Annahmen zutreffen, lohnt sich diese Entscheidung.“ Lebensfähigkeit bedeutet: Sind die Annahmen noch gültig — und weiß jemand Bescheid, wenn nicht?
1

Pflicht 1

Entscheidungszweck

Nicht verhandelbar

Wer entscheidet, was, auf welcher Basis? Ein Case, der nicht an eine konkrete Entscheidung gebunden ist, ist kein Entscheidungsdokument — er ist ein Vortrag.

Typischer Bruch

Case wird erstellt, weil „man sowas halt macht“. Keine benannte Entscheidung, kein Entscheider. Dokument wird abgelegt, nie benutzt.

2

Pflicht 2

Annahmen-Baseline

Nicht verhandelbar

Alle Annahmen explizit, benannt, datiert. Politisches Risiko, Marktveränderung, Wechselkurs — jede Annahme ist eine Annahme, keine Gewissheit. Ohne Datum veralten Annahmen still.

Typischer Bruch

Case enthält Annahmen, aber keine Annahmen-Liste. Beim Review „nimmt man es so“. Zwei Jahre später: niemand weiß mehr, worauf die Rechnung basiert.

3

Pflicht 3

Vitale Größen

Nicht verhandelbar

NPV, Payback, IRR, Sensitivität auf Schlüsselparameter, Worst-Case, Opportunitätskosten, Reversibilität. Sensitivität ist nicht optional.

Typischer Bruch

Punktschätzung statt Bandbreite. „NPV: 4,2 Mio.“ — ohne Sensitivität ist das Wahrsagerei mit Kommastelle.

4

Pflicht 4

Schwächste Annahme

Was prüfen

Welche Annahme reißt den Case, wenn sie 10 % schlechter ausfällt? Sortieren nach Hebel. Mittelwerte verdecken die kritische Annahme — und genau die fällt zuerst um.

Typischer Bruch

„Konservative Annahmen über alle Parameter.“ Bequem, aber unbrauchbar. Der eine kritische Hebel bleibt unbenannt.

5

Pflicht 5

Update-Disziplin

Was prüfen

Wie schnell wird der Case bei Markt-Drift aktualisiert? Reaktionszeit zwischen externer Veränderung und Case-Revision. Bei vielen Cases: nie.

Typischer Bruch

Der Case ist nach Freigabe „erledigt“. Niemand prüft, ob die Annahmen nach sechs Monaten noch tragen. Geld brennt im Stillen.

Realer Fall — Mittelständler investiert in chinesisches Werk

Case 2018: NPV 12 Mio. €, Payback 4 Jahre, Annahmen Lohnkosten +3 % p. a., Lieferketten stabil, kein politisches Risiko genannt. Pflicht 2 verletzt: Annahmen nie datiert, politisches Risiko nicht als Annahme geführt. Pflicht 4 verletzt: Sensitivität nur auf Lohnkosten, nicht auf Lieferketten-Verfügbarkeit und Zoll-Tarife. Pflicht 5 verletzt: Reaktionszeit auf US-China-Zollkrieg ab 2018: vier Jahre Update-Verzug. Realer NPV 2024: minus 7 Mio. €.

Ein Businesscase ist kein Versprechen, sondern eine Behauptung mit Annahmen. Die Pflicht des Cases ist nicht, recht zu behalten — sondern seine Annahmen offen zu legen, damit Korrektur möglich bleibt.

Methode entwickelt von Thomas Arends · OTSM (Organisations-, Technologie- und Service-Management) GmbH.

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