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Architektur

LebensfĂ€higkeit in fĂŒnf Pflichten

Architektur ist die Struktur, die entscheidet, wie Ă€nderbar, wie robust und wie verstĂ€ndlich ein System ist. LebensfĂ€higkeit bedeutet: Ist die Architektur noch Herr ĂŒber ihre eigene KomplexitĂ€t — oder hat die KomplexitĂ€t lĂ€ngst ĂŒbernommen?
1

Pflicht 1

Architekturreason

Nicht verhandelbar

Warum existiert diese Komponente? Jede Komponente hat einen Zweck — nicht eine historische ErklĂ€rung. Org-Chart ist kein Architekturgrund.

Typischer Bruch

Komponenten existieren wegen alter Org-Grenzen, nicht wegen Funktionen. Conway’s Law ohne Bewusstsein.

2

Pflicht 2

Versionierte Architektur

Nicht verhandelbar

Architektur-Entscheidungen (ADRs) datiert und begrĂŒndet. Wenn die Architektur sich verĂ€ndert hat und niemand es dokumentiert hat, regiert die mĂŒndliche Überlieferung.

Typischer Bruch

Architekturdiagramme veralten still. Das aktuelle System sieht niemand — jeder hat ein anderes Bild im Kopf.

3

Pflicht 3

Explizite Schnittstellen

Nicht verhandelbar

Jede Schnittstelle ist explizit im Datenmodell, nicht nur im Diagramm. Kopplungsgrad, Latenz, Durchsatz, Fehlerrate — messbar. Schnittstellen sind die Bruchstellen jeder Architektur.

Typischer Bruch

Schnittstellen leben nur in Köpfen und Diagrammen. Wenn der eine Entwickler geht, weiß niemand mehr, was ĂŒber die Schnittstelle lĂ€uft.

4

Pflicht 4

SchwÀchste Stelle

Was prĂŒfen

Welche Komponente, welche Schnittstelle reißt zuerst? Der schwĂ€chste Punkt der Architektur — nicht die durchschnittliche Robustheit. Single Point of Failure sichtbar machen, nicht mitteln.

Typischer Bruch

„Architektur ist insgesamt solide.“ Vielleicht. Aber die eine zentrale Komponente, durch die alles lĂ€uft, ist der verdeckte Single Point of Failure.

5

Pflicht 5

Wandelbarkeit

Was prĂŒfen

Reaktionszeit zwischen neuer Anforderung und Architektur-Anpassung. Wie teuer ist eine Änderung? Aus Versionshistorie messbar. Starre Architektur ist langsamer Tod.

Typischer Bruch

Jede Änderung kostet Monate, weil alles mit allem verkoppelt ist. Die Architektur ist nicht beweglich — sie ist erstarrt und merkt es nicht.

Realer Fall — Conway lĂ€sst grĂŒĂŸen: Architektur spiegelt Org-Chart

Beobachtung: Ein System wuchs ĂŒber zehn Jahre, die Architektur spiegelt exakt die (mehrfach umorganisierte) Abteilungsstruktur — nicht den Produkt-Zweck. Pflicht 1 verletzt: Viele Komponenten existieren wegen alter Org-Grenzen, nicht wegen Funktionen. Pflicht 3 verletzt: Schnittstellen waren nur in Diagrammen, nicht im Datenmodell — bei jeder Reorganisation neu „entdeckt“. Pflicht 4 verletzt: Der verdeckte Single Point of Failure war eine Alt-Komponente, durch die historisch alle Abteilungen kommunizierten. Die Methode macht Conways Gesetz sichtbar — und nutzbar.

Eine Architektur, die ihre Schnittstellen versteckt, versteckt ihre Bruchstellen. KomplexitĂ€t, die nicht sichtbar ist, ist nicht beherrscht — sie ist nur vertagt.

Methode entwickelt von Thomas Arends · OTSM (Organisations-, Technologie- und Service-Management) GmbH.

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